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Bandinfo

„Wenn du als Musiker das Glück hast, mehr als ein Album aufnehmen zu dürfen, erfährst du die sich ständig und schnell ändernden Aspekte des Zeitgeistes. Irgendwann bist du nicht mehr „trendy“. Aber auch unabhängig von all den Moden musst du deine Musik genau so machen, wie du gerade denkst und fühlst. Man ist ja keine Casting-Band und verändert, entwickelt und wandelt sich ja selbst im Laufe der Zeit; deine Musik entwickelt sich weiter, ohne ihre Vergangenheit und deine eigenen Erfahrungen und Geschichte vergessen zu können“.
-- Alexander Classen/Sänger von DEAR WOLF

 

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Dass Dear Wolf schon mit so unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten wie Slash von Guns and Roses, dem Queen Drummer Roger Taylor, oder auch mit Undergroundgrößen wie den Young Gods die Bühnenbretter teilten, ist gerade heute nicht mehr wirklich wichtig, gehört aber zur Historie der Band und zeigt auch ein wenig von ihrem Charakter. Die Band aus Krefeld wurden 1988 gegründet und gehörte Anfang der neunziger Jahre mit zu den bekannteren Bands der deutschen Indieszene. Sie verdiente sich durch Songs wie „Summer Train“, „Marie Ann“ oder „Lost“ einen respektablen Kultstatus und selbst die zu dieser Zeit aufkommenden Musiksender MTV und VIVA kamen an den Vieren nicht vorbei.

Nun gibt es nach fast 25 Jahren mit „Hello Stars“ ihr siebtes Album – nicht gerade viel für eine so lange Zeit und doch kann man von Kontinuität sprechen – und auch von Entwicklung. Denn zwischen den ungeschliffenen Rohperlen der Anfangsjahre und den letzten Alben liegen Welten und doch hört man immer unverkennbar Dear Wolf – und wie Alexander Classen im Vorwort sagte: „… man verändert, entwickelt und wandelt sich ja selbst im Laufe der Zeit; deine Musik entwickeln sich weiter, ohne ihre Vergangenheit und deine eigenen Erfahrungen und Geschichte vergessen zu können“.

Der ganz große Durchbruch ist nach der Krise des Musikbusiness wie für so viele Gruppen aus dieser Zeit auch für Dear Wolf ausgeblieben. Das tut der Musik natürlich überhaupt keinen Abbruch und vielleicht ist es auch einfacher, ein Album ohne den Druck von Berühmtheit und Popularität produzieren zu können. Vielleicht hat dies mit dazu geführt, dass gerade deshalb „Hello Stars“ eines der besten Dear Wolf-Alben ist, weil es trotz der vielen musikalischen Elemente der frühen Herkunft aus der Indie-Zeit genug aktuelle Popelemente aufgreift und damit eine zeitgemäße Entwicklung der Alternativszene beinhaltet - und es bleibt trotzdem unverkennbar die Band Dear Wolf, was eindeutig auch an dem unverwechselbaren Sänger liegt.

„Das neue Album ist die gewachsene Essenz einer Band – das, was uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind – eine Mischung aus dem kantigen Alternative-Rock der Mittneunziger, kombiniert mit dem Indie-Pop der letzten Jahre“.
-- Martin Smeets, Gitarrist von DEAR WOLF

Die Songs entstehen im Proberaum vor allem zwischen Martin Smeets, der mit Gitarrenriffs und seinen wundervoll unprätentiösen Melodiebögen frei improvisiert und zu denen Alex assoziative Wortmelodien beisteuert, die erst bei bestehender Songstruktur zu realen Texten ausgearbeitet werden. „Hello Stars“ steht für mich für Sehnsüchte, für das Unerreichbare in dieser Welt“, so Sänger Alexander Classen. Und so zieht sich das Thema wie ein roter Faden durch das ganze Album, spiegelt sich in vielen der Songs. „All right now - everything‘s so easy, anyhow“, heisst es im ersten Track ‚Sketch of the Universe‘, begleitet von pop-optimistisch musikalischer Untermalung, doch nachdenklich zum Ende hin: „This is a big star and we don‘t know who we are. It‘s travelling along the stars, a signal sending soul to the Universe.“ Um Hass und Vorurteile geht es im nächsten Stück - der ersten Singleauskopplung ‚Revenge‘, ein ernstes Thema wiederum in poppige Melodien verpackt. Es gibt die großartige Ballade ‚Markets Of Life‘ nur mit Piano und Gesang, fette Momente in „Fingers Bleed“/“Listen To The World“, atmosphärisch bei ‚God is…‘ Überall feine Melodien zu krachigen Gitarren und mitreißenden Riffs – und immer wieder dieser großartige Sänger.

In vielen kleine Gesten und Andeutungen zitieren sie ihre Helden, ohne den eigenen, unverkennbaren Stil zu verlieren. Zwischen Cure, New Order (‚Sweet Make Believe‘), Morrisey (‚And The People Come‘), zwischen The National, den Editors schaffen Dear Wolf sich ihren eigenen Platz.

Und das Album hat Dichte und Stil und beweist, dass Alben nicht tot sind. Ein einzelner Track ist nur der Bruchteil eines Ganzen. Wie sich das Album Track für Track bis zu ‚Machinery‘ aufbaut und in diesem Song eine Dichte und Spannung erlebt, beweist, das Dear Wolf ihr Handwerk beherrschen. Da merkt man die Erfahrungen und Jahre, die sich hier positiv ausdrücken. Indie-Alternative-Pop mit schönen Ecken und Kanten, spannender Düsternis und vielen wunderbaren Sonnenaufgängen. Alles kleine Hymnen, komplex, kaum fassbar aber sie fangen und entführen...
In welches Universum? Ins eigene: Hello Stars!

„Trotz all unserer Erfahrung ist jedes Album immer wieder dieses Gefühl - wie damals, als eine neue Scheibe noch eine Reise war, ein Abenteuer, ein Soundtrack zum eigenen Dasein.“
-- Alexander Classen/Sänger von DEAR WOLF